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mycell

Benny ist neu und kriegt sich nicht mehr ein, weil er eben erfahren hat, dass das Arschloch von Vögeln Kloake heisst. Wie alle hier braucht er, aus Gründen, von denen die anderen nichts wissen wollen, Geld. Er ist der Tonmann, das heißt, er hält während der Aufnahme den Besenstiel, an den wir ein Mikro gebunden haben. Jetzt allerdings können wir nicht aufnehmen, weil er vor lauter Lachen mit dem Mikro durchs Bild wedelt, so dass man sich die ganze Aufnahme schenken kann. In unserer Branche ist man ein First Take Filmer, jeder verfilmte Millimeter sollte nutzbar sein. Quer durch das Bild schaukelnde Mikrofone tragen nicht zur Erbauung der Zuschauer bei, sie führen stattdessen zu Irritationen, die den kompletten Filmgenuß ruinieren können. Na ja, oder so ähnlich. Um ehrlich zu sein, den meisten ists wohl eher egal. Hauptsache Hardcore.

Mona kniet in Hockstellung auf dem Boden, ihr Hintern ragt hoch und wartet. Sie ist schon ein paar Jahre in dem Geschäft, durchaus auch aus Leidenschaft, wie sie sagt, und sie weiß am besten, dass eine der Tugenden, die man für die Branche mitbringen muss, die Geduld ist. Es läuft nicht immer so, wie man möchte. Wir warten auf den Hauptdarsteller.

Mona ist mit Don verheiratet, dem Lichtmann. Das heißt, er hält während der Aufnahme den Besenstiel, an dem eine nackte Glühbirne baumelt. Noch niemals hat er irgendeine Art von Gefühlsregung gezeigt, wenn Mona die unglaublichsten Sachen mit sich anstellen ließ. Niemand weiß, ob ihm das zuwider ist oder ob es ihn anmacht. Vielleicht ist es ihm auch alles scheissegal und die Gründe liegen tiefer, ganz sicher aber ist ihm der Sinn dieser ganzen Sache wohl mitten im obsessiven Ausleben von Fantasien mal verloren gegangen, denn sobald irgendwo ein Geschlechtsakt beginnt, starrt er trübe auf jenen, bis dieser vorbei ist. Man kann sich das mit Don dann in etwa  so vorstellen, wie man sich Auf-einem-Trip-Hängenbleiben vorstellt. Deswegen ist er auch so gut als Beleuchter, gerade an schattigeren Orten wie diesem hier. Leider sticheln die beiden wie immer aneinander rum.  Auf meine Frage, ob die beiden sich nicht auch woanders streiten könnten, sagt sie: „Oh, da mach dir keine Sorgen, wir streiten vor allem zuhause, da haben auch die Nachbarn was davon...ach übrigens, wegen der Nachbarn mach dir keine Sorgen, Don, ich habe ihnen gesagt, du seist psychisch krank.“ „Ach jetzt outest du mich bereits vor Fremden? Sonst schwärzt du mich doch nur bei Familie und Freunden an!“ „Schön, Don. Einsicht ist der halbe Weg zur Besserung. Ich bin froh, dass du wenigstens von „outen“ sprichst und nicht von „verleumden“.“ So ungefähr geht es ständig hin und her. Nur beim Drehen ist Ruhe. Don starrt dann still und wir hören Monas sanfte Stimme, die Bruno gut zuredet. Aber Bruno hat heute einen schlechten Tag. Er ist zwar kräftig am Lecken, aber von Ficken will er nichts wissen, da lässt er sich auch nicht mit ein paar Würstchen locken. Er springt einfach nicht auf.  Vorhin ist mir der Kragen geplatzt und ich habe ihn angegrölt „Nun mach endlich deinen Scheissjob, du dumme Töle!“, da ist er abgehauen. Dobermänner können sehr sensibel sein. Ich bin der Kameramann, das heisst, ich bediene die Digicam, bin der Regisseur, Autor und Produzent, das heisst, sollten sie uns jemals erwischen, wäre ich dran. Ich bin auch der Meinung, Zeit ist Geld in dieser Branche, deswegen entscheide ich, eine irgendeine andere Szene in diesem Abbruchhaus am Arsch der Welt zu drehen und währenddessen irgendwie dieses Tier zu manipulieren, damit es Mona ficken mag. Ursprünglich wollten wir einen Nazi-Tierporno drehen, schön mit Uniformen und Mona in KZ-Häftlingskleidung, wie sie vom Nazi-Dobermann gefickt wird. Wir haben uns dann aber umentschlossen und sämtliche Handlung weggelassen, nicht nur, weil Benny Jude ist, denn dem war es egal, sondern vor allem, weil Filme mit Dokucharakter besser gehen als Spielfilme: Von meinem Erstlingswerk „Bauernhof letzten Sommer“ habe ich deutlich mehr verkauft als von „Horse Cock from Hell“. Eigentlich ist es so wie überall: Innovation ist nicht gefragt, die Leute wollen, dass es sofort abgeht, wer wen warum fickt, das interessiert keine Sau. Niemand muss sich noch an Geschichten festhalten. Der Sprung ins nackte Über-Leben, die neue Nacktheit überleben, sich alles geben, am heftigsten kleben bleiben. Wir wissen alle die Wahrheit, Nazi-Tierpornos sind Comedy gegen die schreckliche Wahrheit. Natürlich habe ich Angebote bekommen. Wenn ich mindestens das Zehnfache verdienen wolle: Man könne das gleiche doch auch mit Kindern drehen. Natürlich habe ich immer abgelehnt. Natürlich weiss ich, dass den Job dann ein anderer macht. Wissen Sie, wie ich damit umgehe? Ich verdränge das. In so eine Richtung darf man gar nicht denken im Geschäft, auch als kleiner Fisch nicht. Ich bin Dokumentarfilmer, ich dokumentiere menschliches Verhalten. Mein Gott, Walt Disney hat auch geschummelt. Alle wissen das, und er gilt trotzdem als Ikone des Kinder- und Tierfilms. Können wir wissen, wieviel Geflügel für ihn sein Leben lassen musste, elendig an inneren Blutungen zugrunde ging, weil die Kloake aufgerissen war oder der Kopf abgerissen, um durch die Zuckungen des armen Federviehs den Effekt zu erhöhen? Ich sage nicht, dass Walt Disney ein Kinder-, -Hühner- oder Entenficker war, aber jeder aufrechte Tierfilmer wird nicht verleugnen können, dass wir alle nicht ganz dicht sind. Sichten sie mal sein Gesamtwerk. Kennen Sie jemanden, der mehr in den Arsch gefickt ist als Donald Duck? Und über den eiskalten, für seine Sucht über Leichen gehenden Dagobert „Für meinen nächsten Schuß Geld mache ich alles, ich verkaufe Ihnen sogar meine drei minderjährigern Großneffen“ Duck brauchen wir wohl nicht zu reden...Alles klar?  Und deswegen besorgt Mona es sich jetzt gerade selbst, Material, das wir bestenfalls an unseren Internetvertrieb verschachern können, echter low budget scheiss, sie soll so ein bißchen fertig rüberkommen, kaputtgefickt, wie man in der Branche sagt. So kurz vor dem Ausbrennen, da gibt es noch mal ein Karrierehoch für die armen Damen, dann kommen die Aasfresser, die auf die ausgelutschten, fertigen Modelle stehen, die fertig und kaputt vom Leben sind, die  Aasfresser, die ihnen zumeist zeit ihres Lebens bereits auf den Fersen waren...aber mit Glück und klarem Kopf findest du dort Sicherheit im Alter, die Gegenleistung ist gering, man hat als Frau vom Fach nicht viel Probleme mit vom Leben verweichlichten Neurotikern, die zu Opfern ihrer eigenen Fantasien geworden sind. Sie müssen  dafür normalerweise nicht Wildes tun, im herkömmlichen Sinne abartiges Zeuchs zwar, das aber im ziemlich guten Preisleistungsverhältnis. Wie kommt man sonst so schnell an ein Eigenheim  im Grünen? Im Netz sind Massen an Männer unterwegs auf der Suche nach ihrer gekauften Frau fürs Leben, die sie abgreifen können, die sexuell abgehärtet ist und für eine Handvoll Dollar alles mitmacht. Versprechen kann man viel. Ein Auto. Eine Wohnung. Ein Zuhause. Ein Leben. Gefühle. Geld. Die Aasfresser wissen, wo sie suchen müssen, sie wissen, wo die vom Business ausrangierten Modelle abgestellt und zum Verkauf angeboten werden. Mona gibt sich also so, als würde sie auf dem letzten Loch pfeifen und macht auf  notgeil und anbiedernd, dass ich mir ein falsches Grinsen nicht verkneifen kann. Don sinniert sabbernd über den Sinn dieses Spiels und  Benny wird dazu verdonnert, den Hund anzuheizen. Der wird daraufhin natürlich ganz blass und meint, er werde dem Hund auf gar keinen Fall einen runterholen. „Sei froh, dass ich dich nicht zum blasen zwinge- du kannst auch nach hause gehen“ brülle ich ihn an, und ihm fallen offenbar seine Gründe, heute hier mit uns zu arbeiten und von denen wir ganz sicher nichts wissen wollen, wieder ein, denn er krempelt den rechten Ärmel hoch und greift unter Bruno. Der wedelt mit dem Schwanz und leckt Benny das Gesicht, während der ihm einen runterholt. Und irgendwie ist es auf einmal fast eklig idyllisch in diesem leerstehenden Haus im Grünen, die Vögel zwitschern, Don im Delir, Mona masturbiert stumm vor sich hin, ich filme. „Oooh...scheisse!“ brüllt Benny plötzlich,  man sieht gleich, was er angerichtet hat. Bruno ist auf Bennys Unterarm gekommen. Ich werde blass, tonlos sage ich „Na, die Szene ist für heute wohl gelaufen“, während Bruno freudig bellend das Weite sucht. Ich erhebe mich und wünschte ich hätte einen „Regie“-Wohnwagen, in den ich mich jetzt zurückziehen könnte, um vom Zorn zerfressen zu werden. Stattdessen setze ich mich auf den Beifahrersitz des VW-Busses, der uns in diese Einöde gebracht hat. Hätte es nicht einHaus in der Stadt sein können? Irgendein blöder feuchter Keller, wie sonst auch? Warum bin ich überhaupt auf die Idee gekommen, soweit außerhalb zu drehen? Wir sind sehr vorsichtig in dieser Branche. Vorsichtig und zurückhaltend. Man muss sich allerlei gefallen lassen, wenn man offen und ehrlich ist. Wir zeigen die Wahrheit aber werden wie Verbrecher behandelt. Weil wir angeblich Tiere quälen, sie zu Sachen zwängen, die ihnen seelische Schaden angedeihen liessen. Fragen Sie mal Bruno. Und der steht neuerdings auch noch auf Männer. Wir züchten und dressieren Tiere für allerlei wundersame Dinge, vom Wettsport bis zum Verzehr, alles ok, aber sie zur Befriedigung sexueller Lust zu benutzen, ist unmoralisch? Eine Welt, in der Sex mit einem Tier zu haben genau so verwerflich ist wie mit einem Kind, muss falsch sein. Sollen die Sickos doch lieber Hühnern die Kehle rausreissen. Und dass Mona sich lieber von einem gut gelaunten Hund sturmficken lässt, anstatt neurosengenässten  Bettspielchen, die gern zum Tabubruch stilisiert, als Liebeskunst  missdeutet, als Liebesdienst aber schon immer angeboten werden, nachzugehen, scheint mir legitim und verständlich. Zumal sie dafür bezahlt wird. Wie ich schon sagte, ich bin auch der Produzent. Ich wäge künstlerischen, kulturellen und sozialen Gehalt gegen kaufmännischen Ertrag ab. Ich dokumentiere menschliches Verhalten. Ich schaffe content.