ELECTRIC INFINITY VIII

29.10.2011 - GARAGE

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ELECTRIC INFINITY VII

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01.04.2011 > Salon Hansen

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13th Monkey live

Maschinenfest / 5.-7.11.2010

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    Black Metal

    KREIS STORMAN REVISITED

    Jeder kennt Landstriche wie diesen: Im südlichen Schleswig-Holstein,
    zwischen Knicks, Koppeln und Laubwäldern sind sie gelegen, die kleinen
    verwunschenen, um und über druidische Opfer- und Totenstätten errichteten
    Dörflein Stormans, in denen die Zeit still gestanden zu sein scheint.
    Kreisrunde kleine Teiche, schwarz und ohne Grund, verlassene Höfe mit
    verfallenen Scheunen, in deren Gebälk uralte Eulen thronen, verwitterten
    Silos, in denen phosphorisierende Pilzkolonien giften,  und Treppen, die,
    im offenen Feld in die Erde eingelassen, ins Nichts führen. Dörfer, deren
    Bewohner all die Geheimnisse hüten, über die nur hinter vorgehaltener
    Hand, niemals aber zu den Neuen, also all denen, die nicht bis mindestens
    in die 7. Generation Dorfzugehörigkeit nachweisen können, gemunkelt wird,
    Geschichten über Küster, die ihre Familie im Schlaf mit der Axt ins
    Jenseits befördern, um sich dann im Kirchturm aufzuhängen,
    blutverschmierte Puppen, die Jahre später auf der Treppe zum Gemeindehaus
    auftauchen. Dem Wahnsinn verfallene Flechterinnen, die halbnackt und
    schreiend dem Krämer vors Auto laufen. In der Neujahrsnacht geborene
    Drillinge, die nacheinander in neunstündigem Abstand den Kindstod sterben.
    Alte zahnlose Frauen in Kittel und Kopftuch, deren gichtknotenübersäten Finger über vergilbte Fotos streichen und dabei Unverständliches in Plattdeutsch murmeln, Gemeinderäte in der Blüte ihres Lebens, die beim Harken von goldbraunem Eichenlaub
    einem Hirnschlag erliegen. Köhler und Präparatoren, die in fensterlosen
    Hütten im Wald mit ihren Töchtern leben. Kinder, für die Erziehung und
    Kochlöffel die gleiche Bedeutung haben, und die vom Spielen am Birkenhain
    auf ewig nicht zurückkehren. Und dann natürlich die Geschichten vom Krieg.
    Damals, als der Ivan vor den Toren stand, als marodierende Horden von
    Deserteuren ins Örtchen einfielen, um sich im Rudel an den
    zurückgebliebenen Bauersfrauen zu vergehen, als die wenigen Dorfjuden ihr
    jähes Ende unter der Auen-Brücke fanden, die Kehlen aufgeschlitzt, von den
    Dachsen angefressen. Um an derart
    aufgeladenen Orten nicht verrückt zu werden, muss sich die Jugend schon
    etwas einfallen lassen. Man kann sich dem Tollkirschen- und Alkoholrausch
    bis zum Stupor hingeben. Statt der naheliegenden Landflucht entscheiden,
    sich die Haare stets sehr kurz zu scheren und einer Philosophie des
    Hasses, die man bereits durch den Schwanz des vermeintlichen Vaters
    eingesogen hat, hinzugeben, bis einen nach Bacardi-Cola-Eskalation in der
    Zeltdisco aus dem um die Henkersbuche gewickelten GTI, auf dessen
    Kühlerhaube man eben noch unter Beifall der Kollegen die Alte genagelt
    hat, der Sensenmann zu schneiden hat. Möchte man bleiben, ohne zu den 50 %
    eines Jahrgangs, der vor Vollendung des 30. Lebensjahres eines
    unnatürlichen Todes stirbt, zu gehören, scheint die Flucht in Musik
    probat,  mittels derer man die negativen Kräfte absorbieren und gegen jene
    richten kann, die schuld sind an den schwarzen Fesseln dieser Orte. Ja,
    wir sprechen von Black Metal. Letzte Bastion juveniler Gegenprojektionen,
    fleischermessertiefe Einschnitte auf der Topografie der Popularkultur der
    Moderne. Kraftvollste Ritualmusik, unter deren Einwirkung man stundenlang
    über Logos brüten, Lehrer, Eltern, Arbeitgeber und Sachbearbeiter
    verfluchen und unkompliziert und unmittelbar die eigenen Verirrungen des
    Geistes abarbeiten kann. "Without light, without love, without trust and
    without god" eröffnet das HÖLLENTOR die Evozierung
    "Blessed are the strong, cursed are the weak" (Twilight),  welcher man
    zweifelhafte Gesinnung vorwerfen kann, wenn man nicht gewillt ist,
    einzusehen, dass das direkte Aufnehmen und Umherschleudern fremder
    Scheisse eines der Hauptmotive schwarzmetallischen Selbstausdrucks ist.
    Hier wird nicht diskutiert und schwadroniert, sondern sofort scharf
    geschossen, bis das Magazin erschöpft ist. So ist die Kieler ENDSTILLE in
    Fachkreisen bereits legendär ob ihrer brutalen, Schneisen ins Publikum
    schlagenden Lärmattacken. Deren "Navigator" (Twilight) birgt einen
    ähnlichen Effekt für zuhause, erweitert um die ersehnte Katharsis, die
    herzlich lacht über Dresscode-Dissings,  händeringende Pädagogensymposien
    und Stumpfheitsvorwürfe. Stets im Auge behalten: Elvis hat seinerzeit auch
    die Jugend verdorben, jede Generation bekommt den Antichristen, den sie
    braucht. Meine Oma hat mir heute ein Stück frisch gekochter Rinderzunge
    mitgegeben, eingewickelt in die Bild-Zeitung. Beim Abendbrot habe ich dies
    blutige Papier gelesen und dabei die Abendnachrichten auf RTL II geschaut,
    da kam mir in den Sinn, wenn ich noch einmal 20 wäre, ich müsste wohl
    Black Metal machen.