Mein Reden.

Heute morgen rief der Premierminister an und fragte, ob ich nicht ein paar nette Worte formulieren wolle für die 5-Jahre-Sonic-Fiction-Feierlichkeiten, die am 8.12. im altehrwürdigen Jekyll & Hyde zu Lüneburg stattfinden würden. Immerhin wäre ich mit diesen seltsamen Musikaktivisten ja irgendwie verbandelt, und warum mit der Vetternwirtschaft hinterm Berg halten, wenn es doch wie Arsch auf Eimer passe? Natürlich erwiderte ich, dass ich ja eigentlich aus dem Alter raus wäre, die Feierei längst an den inzwischen rostigen Nagel gehängt hätte und mich ausschliesslich der Zucht hawaiianischer Orchideen widmen würde, einer Beschäftigung, die viel mehr meinem Gemüt entsprechen würde, ich wäre halt nicht nur, wie wir es naturgegebenerweise alle halten würden, älter geworden, sondern auch reifer, das würde man nicht nur an den Fältchen um die Augen sehen, sondern auch an meiner inzwischen milde gestimmten Art. Letztens hätte ich sogar die xxx an der Supermarktkasse verschont, obwohl sie länger als 3 Nanosekunden für das Einscannen der von mir zum Kauf auserwählten Waren benötigte.

Schön und Gut, sagte da der Premierminister, aber alle wären da, alles, was weit über die nordostniedersächsische Feier-In-Crowd hinaus Rang und Namen hat, illustre Persönlichkeiten aus universitären Zirkeln genauso wie alteingesessene Stadtgeschlechter, deren Namen auch jenseits der Grenzen des Landkreises einen guten Klang haben. Ausserdem: Wer Erfolg haben will, müsse mit den Wölfen heulen. Wo wären wir denn heute, ohne all die tapferen Idealisten, die sich allwochenendlich den Arsch aufreissen würden für die gute Sache, die 48 Stunden ohne Schlaf auch an der kargesten Theke bei guter Laune verharren, um der Kellnerin nach Dienstschluss endlich die Plattensammlung zeigen zu können? Wir würden doch immer noch im Fun oder der Garage den 15jährigen hinterherstieren wie die Neandertaler und vor lauter Genügsamkeit Tanzmusik-CDs mit Delphinen oder indischen Gottheiten auf dem Cover für eine tolle Sache halten. Glauben, dass, wenn das Pesel dicht macht, auch die Party (das Leben) vorbei ist, dass es keine Alternative zu One-Two-Three, Ba-Car-Di! Rufen in der morgendämmernden Fussgängerzone gibt, dass Erfolg sich nur über die hohe Auftrittsdichte bereits in den 80ern recht abgehalfterter Rockacts in Mehrzweckhallen, deren Tanzveranstaltungen dafür sorgen, dass auch Marius „Frei-heieieieit“ W.s Gema-Strumpf wie mit sexy dicken Pfefferminztalern prall gefüllt bleibt, definiert. Und ausserdem würden die Typen von Sonic Fiction handgefertigte (!) CDs mit sonderbar-traumhaften Mixen, die ihresgleichen suchen, unters Volk bringen, und das neue Vice Magazin gäbs exclusiv auf der Party dazu, für alle, die lesen können. Und was am Abend sonst noch ginge (einiges!), wüssten bis jetzt nur die Götter und sie, hingehen lohne sich also auf jeden Fall, das letzte Eckchen aufrechter Partykultur, wo es nicht nur um das Eindruckschinden bei Erstsemesterinnen und Kohlemachen gehe, sondern eben um, na ja, die Party, das Miteinander, der gemeinschaftliche Genuss bewegungsdrangfördernder Klänge, das Du, das Ich, das Wirallezusammen.

Da hab ich natürlich „Hippiescheisse!“ gesagt und den Hörer aufgeknallt, da hat der Premierminister aber gleich noch mal angerufen und gesagt, Herr Väth, wenn Du's nicht machst, frag ich den Ritchie oder den Westbam. Da hab ich dann ja gesagt, mich ne Stunde hingesetzt und „Geile Party am 8.12.! 5 Jahre Sonic Fiction. Im Jekyll in Lüneburg, wo sonst? Ach ja, und am 15., soll ich sagen, auch, da sind Black Red aus Leipzig da mit Booty Bass Ghetto Tech, Electro und so“ getextet, da meinte er aber, das ginge nicht genug rein, da hab ich ihn angegrölt Das geht doch aber nur um Feierei Alda! Da hat er dann den Hörer aufgeknallt, das hat mich natürlich unheimlich gekränkt, weswegen ich gleich die Seelsorge  angerufen hab, aber die meinten nur Na ihre Sorgen wollen wir haben, da hab ich geschrieen Aber ich nicht! und bin wieder ins Bett.

 

Du willst keine Newsletter mehr aus der Sonic Fiction? Dann klicke hier und befolge brav die Anweisungen!